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Rotohrara (Ara rubrogenys)

Schutzprojekt für den Rotohrara in Bolivien

übersetzt und bearbeitet von Marco Smeet

Der ursprüngliche Lebensraum des Rotohrara (Ara rubrogenys) sind die Vegetationsstreifen entlang der Flüsse und Trockentäler der Regionen Cochabamba und Santa Cruz in Bolivien. Das fruchtbare Land wird jedoch zunehmend für den Erdnuss- und Maisanbau umgestaltet und den Vögeln somit ihr natürliches Habitat genommen. Der Rotohrara erwies sich jedoch als sehr anpassungsfähig und ist heute regelmäßig in den Feldern zu finden, um von den Feldfrüchten zu fressen. Die ansässigen Bauern betrachten die Art nun als Bedrohung für ihre Ernte, auch wenn der Hauptschaden durch den Blaukopfsittich (Aratinga acuticaudata) angerichtet wird. Sie werden durch Vogelscheuchen, Steinwürfe und zunehmend auch durch Gewehrschüsse vertrieben. Auch der Handel bedroht die Art.

Seit Mai 2002 arbeitet der engagierte und kompetent ausgebildete Felix Huaquipa als Leiter dieses durch die bolivianische Naturschutzorganisation "Armonia" initiierten Projektes. Als Einheimischer spricht er sowohl Spanisch als auch fließend Quechua, die Sprache der indianischen Bauern, und ist maßgeblich für den bisherigen Erfolg des Projektes verantwortlich..

Bisher wurde eine Studie über die Habitatnutzung und Bedrohungsfaktoren durchgeführt sowie ein "conservation dialogue" mit der Bevölkerung ins Leben gerufen. Somit wurden viele grundlegenden Daten für ein langfristiges Schutzkonzept für den Rotohrara bereits gesammelt. Bis Mai 2003 wurden mittels GPS-Kartierung Brutklippen und die Populationsgrößen an den einzelnen Brutplätzen erfasst, um somit die relevantesten Gebiete für den Schutz der Aras festzulegen. Dies war die erste wissenschaftliche Bestandserfassung für die Art überhaupt. Außerdem wurde der "conservation dialogue" weiter geführt und ausgeweitet.

Die bisherige Arbeit ergab, dass die lokalen Gemeinden die Hauptbedrohung für den Rotohrara darstellen. Allein durch die Zusammenarbeit mit den hier lebenden Menschen kann das Überleben der Art sichergestellt werden. Ziel des Schutzprojektes muss also sein, ein vielseitiges, von den Gemeinden getragenes Langzeitprojekt aufzubauen. Dazu bedarf es weiterer intensiver Forschungsarbeit in folgenden Gebieten:

  • Alternative Vertreibungsmethoden: Durch Versuche an fünf für das Projekt bedeutsamen Orten sollen effektivere Methoden gefunden werden, um Felder vor dem Blaukopfsittich zu schützten. Auch lokale NGOs sollen hier eingebunden werden. Überwacht und begleitet werden sollen diese Versuche von Studenten, die auch alternative Nahrungsquellen für die Rotohraras ergründen sollen. Damit können auch für andere bedrohte Arten Erkenntnisse gewonnen werden.
  • Bewusstseinsbildung: Die meisten Bewohner sind sich nicht darüber im Klaren, dass es sich bei den Papageien auf ihren Feldern um mehr als eine Art handelt. Ihnen ist unbekannt, dass der Rotohrara eine nur in dieser Region und nirgends sonst auf der Welt vorkommende Art und somit ein besonderer Bestandteil ihres lokalen Naturerbes ist. Die Dörfler sollen daher über die Ökologie und Besonderheiten der Vögel unterrichtet werden und so ein Gespür für "ihre" Natur gewinnen.
  •  Entwicklung eines Schul-Ökologie-Programms: Im Zuge des "conservation dialogue" wurde das Projekt aufgefordert, Lehrer für einen biologisch-ökologischen Unterricht fortzubilden und Schulen mit entsprechendem Material auszustatten. Dies soll in zumindest sechs Schulen in Kerngebieten des Verbreitungsgebietes geschehen. Zudem soll ein Lehrer engagiert werden, der durch die Gemeinden zieht und die Schulen mit Material versorgt.
  • Förderung von Aufforstungsmaßnahmen: Der Lebensraumverlust von ca. 50 % der ursprünglichen Fläche ist sicher der Hauptgrund für die Vögel, die Felder aufzusuchen. Durch entsprechende Aufklärungs- und Erziehungsarbeit sollen die Gemeinden ermutigt werden, aufgegebene Nutzflächen und Flächen zwischen Feldern wieder aufzuforsten. Dabei sollen Pflanzen verwandt werden, die den Tieren alternative Nahrungsquellen bieten. Das benötigte Material wird vom Projekt gestellt.
  • Stärkung des Rechtsbewusstseins: In den Gemeinden soll über die Rechtslage bezüglich des Handels mit den Vögeln informiert werden. Viele Händler behaupten fälschlicherweise, der Handel sei legal. Durch entsprechende Aufklärung soll zukünftiger Handel eingeschränkt werden.
  • Einfluss auf die Behörden bezüglich des illegalen Handels: Fang, Transport und Export des Rotohraras sind verboten. Eine Doktorarbeit über das Thema soll der Presse und den zuständigen Politikern vorgelegt werden, um Druck zur Durchsetzung der Gesetze auszuüben.
  • Einrichtung eines Rotohrara-Schutz-Zentrums: Längerfristig soll ein Zentrum für weiterführendes Monitoring und Information der Bevölkerung Informationen über Wiederaufforstung, Methoden der Vogelvertreibung und verbesserten Landbau zur Verfügung stellen. Des Weiteren könnten hier permanent Informations- und Bildungsmaterialien für die Schulen bereitgestellt werden. Hier wäre auch das projekteigene Fahrzeug stationiert, um Materialien zu verteilen oder geschädigte Familien aufzusuchen.

Langfristig wird die Umsetzung der genannten Maßnahmen eine kostengünstige Sicherung der Art herbeiführen. Es soll ergründet werden, welche der Maßnahmen besonders effektiv sind, um sie dann ggf. besonders auszuweiten. Als Indikator für den Projekterfolg sollen mindestens alle fünf Jahre die Brutstätten gezählt werden.

Die Projektkosten für die nächsten sechs Monate in Höhe von 3.500 € werden jeweils zur Hälfte vom Fonds für Bedrohte Papageien der ZGAP und der Schwestergesellschaft CEPA getragen.