Diademlori (Eos histrio)

Projekt Diademlori

von Dr. Frank R. Lambert
(übersetzt und bearbeitet von Marcellus Bürkle)

Einführung
Zwischen Nord-Sulawesi und der philippinischen Insel Mindanao liegt eine große Anzahl kleinerer Inseln, von Süd nach Nord: Siau, Sangihe und die Talaud-Gruppe. Letztere umfaßt die Inseln Karakelong, Salebabu und Kabaruang. Im Osten Talauds liegen die Nenusa-Inseln und im Norden die kleine, sehr isoliert gelegene Insel Miangas. Im Zeitraum von Juli bis Dezember 1996 wurde auf den Inseln, von welchen das Vorkommen des Diademlori (Eos histrio) bekannt war oder zumindest vermutet wurde, eine Feldstudie durchgeführt. Erstes Ziel war es, den genauen Status dieses bedrohten Loris zu ermitteln, um einen Aktionsplan zur Erhaltung dieser Art erstellen zu können. Im weiteren sollten aber auch Daten über andere bedrohte endemische Vogelarten gesammelt werden. Bis auf die Untersuchungen der University of York (Riley 1995, University of York 1996), welche die Schätzung von Populationsdichten für alle Vogelarten zum Ziel hatte, wurde auf diesen Inseln keine systematische Populationsstudie durchgeführt.
Ornithologischer Status von Sangihe und Talaud
Im Jahre 1992 wurde vom International Council for Bird Preservation (heute BirdLife International) eine Liste von 24 sog. "Endemic Bird Areas" (EBAs) in Indonesien erstellt. Sie beruht auf der geographischen Erfassung aller Vogelarten mit einem Verbreitungsgebiet von weniger als 50.000 km , auch als,pestricted-range bird species'" bezeichnet. Eines dieser Gebiete ist das Sangihe-Talaud EBA, in dem insgesamt zehn dieser, "pestricted-range bird species" erfaßt wurden. Davon sind fünf Arten auf den Inseln endemisch, und weitere vier werden als global bedroht (globally threatened) eingestuft.

Verbreitung
Der Diademlori lebt endemisch auf den Inseln nördlich von Sulawesi, wo 3 Unterarten beschrieben wurden. Die Nominatform, E. h. histrio, von den Siau-, Ruang- und Sangihe-Inseln, E. h. talautensis von den drei Talaud-Inseln Karakelong, Salebabu und Kabaruang, und E. h. challengeri von Nenusa und/ oder Miangas. Forshaw und Cooper (1989) nennen die Nenusa-Inseln als Verbreitungsgebiet dieser Unterart, wohingegen White und Bruce (1986) nur die Insel Miangas erwähnen. Die Bälge dieser Unterart im British Museum allerdings weisen allesamt die Nenusa Inseln als Herkunftsgebiet aus. Wie auch immer, die Unterarten E. h. histrio und E. h. talautensis sind im Freiland fast unmöglich zu unterscheiden, liegen die Unterschiede doch nur in der Größe sowie der unterschiedlichen Ausprägung der Schwarzfärbung in den Flügeln. E. h. challengeri soll kleiner sein und weniger Blauanteil im Gefieder zeigen (Forshaw und Cooper 1989).

Freilanduntersuchungen auf Sangihe
Da aus vergangenen Berichten verschiedener Autoren angenommen werden mußte, daß die Population auf Sangihe sehr klein war, wurde auf die Erfassung quantitativer Daten mit der Variable Circular Plot-Methode (VCP) bewußt verzichtet. Statt dessen lag das Augenmerk auf dem Ausfindigmachen von Rast- und Schlafplätzen, an denen dann morgens und abends Vögel gezählt wurden. Zum Ausgangspunkt der Feldstudie wurde das Dorf Telawid Atas gewählt, da es im einzigen bisher bekannten Gebiet lag, in dem nachweislich Diademloris beobachtet wurden. In den Dörfern rund um den Mount Awu wurden Bewohner nach den Loris befragt, um so weitere Vorkommensgebiete ausfindig zu machen. Außerdem wurden Fragen über Häufigkeit der Sichtungen, Farbe der Tiere und über eventuelle Gefangenschaftshaltungen gestellt. Die älteren Bewohner wurden zusätzlich nach der Häufigkeit der Vögel in früheren Jahren befragt. Zwischen dem 28. Juli und 5. August 1996 wurden alle entdeckten Schlafplätze in den Nachmittags- und Abendstunden sowie im Morgengrauen beobachtet. Außerdem wurden sechs verschiedene Aussichtspunkte rund um die kleinen Täler besetzt, um so die an- bzw. abfliegenden Loris besser beobachten zu können. Dabei wurde das Team so aufgeteilt, daß mindestens drei Schlafplätze oder Aussichtspunkte zur gleichen Zeit überwacht werden konnten. Während der restlichen Zeit des Tages wurden die zahlreichen Pfade des Gebietes abgegangen, um durch Hörkontakt die Anwesenheit der Loris zu überprüfen sowie sämtliche angetroffenen Bewohner über diese Tiere zu befragen. Vom 7. bis 12. August wurde die Feldstudie im bewaldeten Gebiet um den Mt. Sahengbalira durchgeführt. Dies ist das einzig verbliebene Areal auf Sangihe mit einem erwähnenswerten Bestand an Primärwald.

Freilanduntersuchungen auf Talaud
Informationen von D. Holmes (in litt., 1995) und Riley (1995) wiesen darauf hin, daß Karakelong, als größte Insel der Talaud-Gruppe, den größten Teil der Diademlori-Population beheimatete. Aus diesem Grund konzentrierte sich die Feldstudie auf diese Insel. Die Arbeit auf Karakelong wurde in der Zeit vom 14. August bis 24. September 1996 sowie vom 1. Oktober bis zum 20. November 1996 durchgeführt. Zusätzliche Informationen, besonders über den Handel mit dem Diademlori, wurden in der Zeit vom 14. - 19. Dezember gesammelt. In sämtlichen untersuchten Waldgebieten, seien dies Primärwälder oder aber die sog. Kebun (landwirtschaftlich genutzte Flächen mit Maisanbau, Kokosnußplantagen oder anderen Fruchtbäumen), wurde die VPC- Methode angewandt. An insgesamt 14 verschiedenen Standorten wurden damit, über eine Woche hinweg, Zählungen durchgeführt. Außerdem wurde an einem Schlafplatz die Zahl der sich einfindenden Loris ermittelt. Dieser Platz war bereits im Jahre 1995 von Riley untersucht worden. Die kleineren und bereits zum Großteil gerodeten Inseln wurden von Mitgliedern des Teams zwischen dem 24. und 30. November besucht. Bei der VCP-Methode wurden nach einer Sichtung folgende Daten von jeweils 2 Beobachtern aufgenommen- :

  1. Anzahl der beobachteten Diademloris
  2. Alter der Vögel (juvenil oder adult)
  3. Geschätzter Abstand zum Beobachter
  4. Sichtung oder Hörkontakt

Mount Awu-Gebiet auf Sangihe
Befragungen der Bevölkerung in der Region um den Mount Awu ergaben, daß der Diademlori nur in der Umgebung von Telawid Atas regelmäßig zu beobachten war. Dort hatte auch die Expedition der "York University" 1995 Loris beobachten können. Nach den Aussagen der Dorfbewohner konnte zunächst der Eindruck gewonnen werden, daß in der Region um Telawid Atas eine Population von vielleicht 30-50 Exemplaren existiere. Die Bewohner konnten fünf angebliche Schlafplätze der Loris benennen und einer von ihnen berichtete, daß regelmäßig in den Morgenstunden ein Schwarm von 10 bis 15 Loris in seinem Garten erschien. Dennoch konnte trotz intensiver Suche von uns in dieser Zeit nicht ein einziger Diademlori beobachtet werden. Es wurde nach und nach deutlich, daß viele Dorfbewohner nicht in der Lage waren, die verschiedenen Papageienarten zu unterscheiden und die indonesischen Wörter "Nuri" oder "Luring" für die Beschreibung vieler Arten benutzt wurden. Auch konnten wir täglich einige Gelbmantelloris (Lorius garullus) beobachten, welche die von den Dorfbewohnern beschriebenen Schlaf- und Ruheplätze nutzten. Wir kamen somit zur Schlußfolgerung, daß es sich bei den Beobachtungen der Dorfbewohner um diese Art und nicht um den Diademlori gehandelt hat. Diese Annahme wurde bekräftigt, nachdem sich in weiteren Gesprächen herausstellte, daß die Loris, welche den Garten des einen Dorfbewohners regelmäßig besuchten, nicht rot, sondern grün waren. Es handelte sich dabei wahrscheinlich um Tanygnathus spp. (Blauscheitel-, Schwarzschulter- oder Müllers Edelpapagei).

Auch Befragungen älterer Bewohner des Dorfes und von Männern, die ihre Felder in der höher gelegenen Region oberhalb des Dorfes hatten, ergaben keinen Hinweis auf das Vorkommen von Diademloris in diesem Gebiet. Zwei alte Männer berichteten, daß die Loris vor dem Ausbruch des Vulkans Mount Awu im Jahre 1966 noch häufiger zu sehen waren, wohingegen ein anderer, älterer Bewohner berichtete, er hätte in seinem ganzen Leben noch keinen dieser Vögel zu Gesicht bekommen.

Zusammenfassend ist festzustellen, daß für den Diademlori auf Sangihe kein einheitlicher Name existiert und die Dorfbewohner zur Unterscheidung der verschiedenen Papageienarten oft nicht in der Lage sind. Die Vögel scheinen von der Insel weitestgehend verschwunden zu sein, und es besteht die Möglichkeit, daß der Ausbruch des Mount Awu eine Rolle beim Verschwinden dieser Art gespielt hat. Außerdem wurde festgestellt, daß regelmäßig Papageien verschiedenster Arten aus der Gefangenschaft entfliehen oder von den Bewohnern freigelassen werden. Es scheint daher möglich, daß ein Großteil der wenigen freifliegenden Diademloris auf Sangihe aus der Gefangenschaft stammen. Gesichert ist diese Tatsache für den Schmucklori (Trichoglossus ornatus) und die erwähnten Gelbmantelloris, deren natürliche Verbreitungsgebiete nicht auf Sangihe liegen.

Mount Sahengbalira-Gebiet auf Sangihe
Im Süden der Insel wurden Felduntersuchungen in der Region rund um den Mount Sahengbalira durchgeführt. Von den befragten Personen schien nur eine den Diademlori zu kennen und erzählte, sie hätte vier oder fünf Tiere zu verschiedenen Zeiten im Jahr auf Mangobäumen in der Nähe des Dorfes Tamako gesehen. Von den Arbeitern in den Kebuns, die an den Hängen der Berge liegen, konnte keiner den Diademlori identifizieren. Nur ein Vorarbeiter berichtete, er habe in einer Höhe von ca. 500 Metern rote Papagei- en gesehen und bestimmte diese auf unseren Bildern als Diademloris. Während der fünf Tage unserer eigenen Untersuchungen in den Wäldern zwischen 700 und 920 m ü.d.M. wurde kein Lori gesichtet. Nur einmal konnten Rufe von Diademloris unbestimmter Anzahl in einem Tal, in 600 - 650 m Höhe, gehört werden.

Populationsgröße auf Sangihe
Die Untersuchungen des Jahres 1996 weisen alle darauf hin, daß die Population des Diademloris auf Sangihe sehr klein ist. Keine der gewonnenen Information konnte zur Schätzung der Populationsgröße oder zur Bestimmung der verschiedenen Unterarten herangezogen werden. Es besteht kaum ein Zweifel, daß diese Art extrem selten ist und viele der dort anzutreffenden Diademloris ursprünglich von den Talaud-Inseln stammen, entweder ausgesetzt oder versehentlich entflogen. Riley beobachtete 1995 zwei Vögel, die er aufgrund von Größe und Gefiederfärbung der Nominatform (E. h. histrio) zuordnete. Diese beiden Vögel wurden zusammen mit zwei beringten Partnern beobachtet, die aber der Unterart E. h. talautensis zugeordnet wurden. Wie auch immer diese Artbestimmungen zu bewerten sind, so besteht kein Zweifel daran, daß auch andere Eos-Arten, besonders der Kapuzenlori (E. squamata), auf der Insel vorkommen. Ein reger Schiffsverkehr bringt regelmäßig auch Papageien von den Nord-Molukken nach Sangihe, und es muß damit gerechnet werden, daß diese entfliehen oder freigelassen werden.

Welche Unterart des Diademloris auf Sangihe auch vorkommt, kann die Population doch nicht viel größer als einige wenige Tiere sein. Große Bäume, die als Brutmöglichkeit dienen könnten, sind größtenteils verschwunden, so daß die Aussichten für den Fortbestand der Population sehr schlecht sind. Riley schätzte die Population auf 30 - 100 Individuen. Aber ohne eine ausgedehnte und intensive Untersuchung ist die tatsächliche Zahl unmöglich zu bestimmen.

Talaud
Die Untersuchungen auf Talaud wurden in den oben erwähnten Gebieten durchgeführt. Das Gelände in den unberührten Waldgebieten war oftmals sehr steil und unzugänglich, so daß dort das Vordringen in tiefere Waldgebiete nur entlang von Fluß- und Bachbetten möglich war. Der Großteil der Beobachtungspunkte lag entweder in Primärwaldgebieten oder in den Kebun-Arealen. Die Vegetation wurde für unsere Untersuchung in folgende Klassen eingeteilt: Primärwald, Sekundärwald, Kebun oder Überlagerungen dieser Gruppen. Primärwald wurde vom Sekundärwald durch das Vorhandensein bestimmter Indikatorbäume unterschieden.

Während der Untersuchung wurden mittels der VCP-Methode in Primärwaldgebieten 367 und in Kebun-Gebieten 264 Einzeldaten gesammelt. Dabei wurden im Primärwald 86 und in den Kebuns 23 Sichtungen von Einzeltieren oder Gruppenverbänden des Diademloris registriert. Sämtliche Daten wurden genutzt, um die Populationsdichte in beiden Habitaten - Primärwald und Kebun - zu schätzen. Dabei wurden unterschiedliche Berechnungsmethoden angewandt, um möglichst präzise Zahlen zu erhalten und Unsicherheiten zu minimieren. Somit ergibt sich in den Primärwaldgebieten eine Populationsdichte von 26,7 - 107,4 Vögeln/km2 und in den Kebun-Gebieten von 9,1 - 52,5 Vögeln/km2 . Unter Berücksichtigung aller Unsicherheitsfaktoren in der Berechnung der Gesamtpopulationsgröße ergibt sich eine Zahl zwischen 9.404 - 24.159 Diademloris auf Karakelong.
Auf der Insel Kabaruang konnte während der Untersuchungen, Ende November 1996, nicht ein Diademlori beobachtet werden. Die Bewohner der Insel berichteten, daß dieser Lori seit langer Zeit nicht mehr auf der Insel gesehen worden war. Auf der Insel Salebabu hingegen konnten sechs Loris beobachtet werden. Deren Herkunft ist allerdings unsicher, da Dorfbewohner berichteten, Polizisten hätten vor einiger Zeit beschlagnahmte Loris freigelassen. Auch wenn diese beiden Inseln nur kurz besucht wurden, kann die Population dort nur von geringer Größe sein. Denn auch hier sind für den Diademlori geeignete Waldgebiete äußerst selten anzutreffen.

Status auf den Nenusa-Inseln und auf Miangas
Von den drei beschriebenen Unterarten des Diademlori soll E. h. challengeri ursprünglich auf den kleinen Inseln von Nenusa und/oder Miangas beheimatet sein. Der Status dieser Unterart war nahezu unbekannt, bis Nash (TRAFFIC 1993) berichtete, er habe 1992 Vögel in Gefangenschaft gesehen, die er dieser Unterart zuordnete.

Während unserer Untersuchungen wurden auf den Talaud-Inseln mehr als 100 Diademloris in Gefangenschaft gefunden, der überwiegende Teil davon im Dorf Toabatu. Alle diese Vögel wurden nach Angabe der Besitzer auf Talaud gefangen. Es scheint auch unsinnig dies in Frage zu stellen, da wohl kaum ein Fänger den weiten Weg zu den Nenusa-Inseln machen würde, um diese Loris zu fangen. Von diesen mehr als 100 Diademloris zeigten jedoch einige die typischen Merkmale der Unterart E. h. challengeri. Außerdem zeigten die Diademloris in Toabatu eine große Variation, insbesondere im Hinblick auf die Blaufärbung an Kopf und Brust. Ein ganz besonderes Exemplar, welches 1996 in der Nähe von Toabatu gefangen wurde, war sogar ein Teilalbino; sämtliche sonst roten Gefiederpartien waren bei diesem Vogel weiß. Die Bevölkerung hingegen war der Ansicht, es handle sich um eine eigene Art. Vielen adulten Tieren fehlte das typische Blau auf der Brust, was an sich ein Merkmal der Unterart E. h. challengeri ist. Und ein untersuchter Vogel zeigte alle Merkmale, die für E. h. challengeri typisch waren: Fehlen des blauen Brustbandes und deutliche Abgrenzung des blauen Augenstreifens vom Blau der Rückenpartien.

Vor dem Hintergrund, daß alle Dorfbewohner bezeugten, diese Vögel seien allesamt auf Talaud gefangen worden, zeigt sich, daß die Unterart E. h. talautensis nicht nur eine sehr große Variabilität der Gefiederfärbung zeigt, sondern darüber hinaus auch Merkmale von E. h. challengeri aufweist. Leider konnten von den Vögeln in Toabatu keine Daten über Größe und Länge gesammelt werden. Dennoch ist die Schlußfolgerung die, daß E. h. challengeri nur durch die Größe eindeutig bestimmt werden kann, oder aber diese Unterart überhaupt nicht existiert. Die Anzahl der Bälge, die zur Identifizierung dieser Unterart in der Vergangenheit herangezogen wurde, ist mit nur drei Exemplaren außerdem äußerst gering (Forshaw und Cooper 1989).

Da die Nenusa-Inseln von den Bergen rund um Toabatu klar zu erkennen sind, scheint es durchaus möglich, daß Diademloris diese Strecke gelegentlich überwinden und zwischen den beiden Inseln hin und her wechseln. Die Inseln sind an der schmalsten Stelle nur 35 km voneinander entfernt. Eine Strecke, die ein so schnell fliegender Lori in weniger als einer Stunde zurücklegen kann. Somit könnten die Tiere, welche auf Talaud gefangen wurden, durchaus Teil der Population von Nenusa sein. Eine weitere Möglichkeit ist, daß die Population auf Nenusa ursprünglich tatsächlich genetisch unterschiedlich war, vor langer Zeit jedoch Vögel von Nenusa auf den Talaud-Inseln durch Menschenhand eingeführt wurden und so die Merkmale beider Unterarten nun auf den Talaud-Inseln zu finden sind. Biometrische und genetische Studien sollten in Zukunft helfen, diese Frage zu klären. Es sollte aber noch erwähnt werden, daß keiner der in Freiheit gut zu beobachtenden Vögel auf Karakelong das Fehlen des blauen Brustbandes aufwies. Dieses Merkmal wurde nur bei den Loris in Gefangenschaft beobachtet. Die Annahme, dies könne in Zusammenhang mit einer unausgewogenen Ernährung der Vögel stehen, wird von J. R. van Osten (in litt., 1997) als eher unwahrscheinlich angesehen.

Wie auch immer der genaue Status dieser Unterart sein mag, so scheint doch gesichert, daß heute auf den Nenusa-Inseln keine Population des Diademloris existiert. Auch die Befragung von insgesamt acht Inselbewohnern ergab keinen Hinweis auf die Existenz einer solchen Population.

Handel
Papageien werden auf der Insel Sangihe häufig als Heimtiere gehalten. Besonders beliebt sind die Gelbmantelloris von den nördlichen Molukkeninseln sowie die Diademloris. Auf den Talaud-Inseln ist der Diademlori der am häufigsten anzutreffende Vogel in Menschenobhut.
Er wird in großem Maße nur auf der Insel Karakelong gefangen. Toabatu, Tule und andere Dörfer sind dabei Ausgangsorte der Fänger. Einige der Loris werden illegal, meist mit Fischerbooten, auf die Philippinen exportiert oder gelangen über den inländischen Schiffsverkehr in andere Provinzen von Indonesien.
Diademloris werden das ganze Jahr gefangen. Dabei suchen die Fänger Schlaf- und Futterbäume der Loris auf, wo mit Hilfe von Leimruten den Vögeln nachgestellt wird. An einem dieser Schlafplätze wurden im Oktober 1995 noch ca. 400 Diademloris gezählt. Im August 1996 hingegen waren dort nur noch ca. 100 Loris anzutreffen. Die genaue Zahl der gefangenen Diademloris auf Karakelong für den inländischen und illegalen Exportmarkt ist schwer einzuschätzen. Eine vorsichtige Schätzung, aufbauend auf den zahlreichen Befragungen, geht von ca. 500 - 600 Tieren aus. Es könnten allerdings auch 1000 oder noch mehr sein.

Ausblick
Schutzmaßnahmen für den Diademlori sollten in Zukunft ihr Hauptaugenmerk auf die Insel Karakelong richten, da dort die einzige überlebensfähige Population dieser Art existiert. Einige der notwendigen Maßnahmen werden im Folgenden aufgeführt:

  • Der Status der Schutzgebiete auf Karakelong muß klarer und eindeutig definiert werden, dazu gehört die Einteilung der Gebiete in "Strict Nature Reserves" und "Wildlife Sanctuary".
  • Der Diademlori muß in die indonesische Liste der geschützten Arten aufgenommen und die Bewohner Karakelongs müssen hierüber informiert werden.
  • Einer limitierten Anzahl von registrierten Fängern sollte der Fang einer festgelegten Zahl an Diademloris erlaubt werden, bis der Vogel in diese Liste aufgenommen ist. Hierbei soll eine Fangquote von zunächst 5% (470 Tiere), dann 3% (280 Tiere) und schließlich 2% (180 Tiere) der geschätzten Mindestpopulation festgelegt werden. Parallel müssen diesen Personen und deren Familien Alternativen zum Verdienst durch den Vogelfang angeboten werden. Ist der Diademlori in die Schutzliste aufgenommen, ist Fang nicht mehr erlaubt.
  • Indonesische Behörden müssen den illegalen Export auf die Philippinen eindämmen.

Konkrete Schutz- und Aufklärungsmaßnahmen, wie sie bereits von der "York University Expedition - Action Sampiri" gestartet wurden, sollten fortgesetzt und ausgebaut werden. Der vorliegende Report ist das Resultat eines gemeinschaftlichen Projektes der World Conservation Union (IUCN), des Indonesian Institute of Science (LIPI), dem Directorate for Forest Protection and Nature Conservation (PHPA) des indonesischen Departement of Forestry und Mapala Areca Vestiaria (MAV) von der Universität von Sam Ratulangi (UNSRAT), Manado.

Die Durchführung wurde durch die finanzielle Unterstützung des Fonds für bedrohte Papageien, der Fundacion Loro Parque, Teneriffa, der Vereinigung für Artenschutz und Zucht sowie der International Loriinae Society ermöglicht.

Anmerkung des Übersetzers
Der Fonds für bedrohte Papageien stellte im Jahre 1996 einen Betrag von DM 15.254,- für das beschriebene Projekt zur Verfügung. Dieser Betrag enthält eine zweckgebundene Spende der Vogelzüchtervereinigung "AZ".
Den Vorschlägen von Dr. Frank R. Lambert folgend unterstützt die STRUNDEN PAPAGEIENSTIFTUNG im Jahr 1998 ein von R. Riley geleitetes Projekt auf den Talaud-Inseln mit US$5.000.
Dieses Projekt hat zur Aufgabe, aufbauend auf den Erkenntnissen von Dr. Lambert konkrete Schutzmaßnahmen vor Ort einzuleiten. Dazu gehört die Aufklärung in Dörfern und Schulen, das Gewinnen der Bevölkerung für den Schutz des Diademloris, Schutz der letzten Rückzugsgebiete und vieles mehr.

Literatur
Forshaw, J.M. and Cooper, W.T. 1989. Parrots of the Worid, 3rd edn. Lansdowne, Melbourne.
Riley, J. 1995. Preliminary assessment of the status and utilization of the Red and Blue Lory Eos histrio on Talaud and Sangihe. PHPA/BirdLife International-Indonesia Programme Technical Report No. 10. BirdLife, Bogor.
TRAFFIC Southeast Asia. 1993. The Red and Blue Lory. File Report. TRAFFIC Southeast Asia, Kuala Lumpur.
van Oosten, J.R. and Riley, J. 1996. Ergebnisse der ersten Expedition zu den Sangihe- und Talaud- Inseln. Papageien 9: 281-285; 10: 316-319.
White, C.M.N. and Bruce, M.D. 1986. The Birds of Wallacea: an Annotated Checklist. British Ornithologists' Union, London, UK. (BOU Check-list No. 7).