Jubiläumstagung des FbP

25 Jahre Fonds für bedrohte Papageien

Vom Freitag, 5. bis Sonntag, 7. September 2014 fand in Berlin die 18. Tagung des Fonds für bedrohte Papageien (FbP), einem Arbeitskreis innerhalb der ZGAP, statt. Der FbP wurde vor 25 Jahren 1989 gegründet.

Am Freitag Mittag trafen sich die ersten der insgesamt über 200 Teilnehmer im Tierpark Berlin ein, wo sie nach dem Empfang durch die Mitglieder des FbP von freiwilligen Helfern der Gemeinschaft der Förderer von Tierpark Berlinund Zoo Berline.V. für eine Zooführung in kleinen Gruppen in Empfang genommen wurden. Nach einem Sektempfang im Schloss Friedrichsfelde, einer Schlossführung und dem geselligen Beisammensein am Abend im Tagungshotel begann die eigentliche Tagung am Samstag morgen im Festsaal des Berliner Roten Rathauses.

Nach der Begrüßung durch René Wüst (Leiter des FbP) und Andreas Bigge (Tagungsorganisation) sowie Grußworten von Dr. Jens-Ove Heckel (1. Vorsitzender der ZGAP), Dr. Michael Gödde vom Referat „Naturschutz, Landschaftsplanung, Forstwesen“ bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin und Dr. Matthias Reinschmidt von der Loro Parque Fundaçion folgte ein Vortragsprogramm mit verschiedenen Themen über die Geschichte des FbP und die Arbeit sowie die ZGAP, Artenschutzprojekte Ex-situ und In-situ, Ergebnisse der veterinärmedizinischen Praxis, Haltung und Zucht sowie Beobachtungen im Freiland.

Dr. Marcellus Bürkle, FbP-Arbeitskreismitglied, führte durch das Programm und übersetzte die auf Englisch gehaltenen Vorträge simultan ins Deutsche.

Den Einstieg machte Roland Wirth, Ehrenvorsitzender der ZGAP, mit einem Bericht über Hintergründe und Gedanken zum Artenschutz, es folgte eine Übersicht über die Geschichte des FbP von René Wüst, Leiter des FbP, und Walter Schulz, ehemaliger Fondssprecher, sowie eine Vorstellung des Projektmanagements der ZGAP von Dr. Sven Hammer, 1. Stellvertretender Vorsitzender der ZGAP.

Im zweiten Vortragsblock stellte Dr. Martin Schäfer von der Universität Freiburg die aktuelle Situation der Ecuadoramazone (Amazona lilacina) sowie des Orces- oder El-Oro-Sittichs (Pyrrhura orcesi) vor. Sandra Molloy, Zoo Dublin, stellte den Status der EEP für den Orangehaubenkakadu (Cacatua sulphurea citrinocristata) und den Molukkenkakadu (Cacatua moluccensis) vor.

Nach einer kurzen Diskussion und einer Mittagspause standen Vorträge über neue Ergebnisse der veterinärmedizinischen Praxis auf dem Programm. Prof. Dr. Michael Lierz und Helena Schneider von der Forschungsgruppe aviäre Reproduktion der Universität Gießen berichteten über künstliche Besamung bei Psittaciden sowie Forschungen über die Konservierung von Papageiensperma. Diese an der Universität Gießen entwickelte Technik wurde bereits erfolgreich bei hochgradig bedrohten Arten wie der Königsamazone (Amazona guildingii) und dem Spixara (Cyanopsitta spixii) eingesetzt. Dr. Petra Wolf, ehemals Tierärztliche Hochschule Hannover, jetzt Universität Rostock, stellte anschaulich den Einfluss der Fütterung auf die Fruchtbarkeit und Brutkondition dar.

Später am Nachmittag berichtete Günter Feuchter, AZ, über die Haltung und Zucht verschiedener Grassittich-Arten (Neophema spp.) und Tomáš Peš, Zoo Pilsen, über die Haltung und Zucht von bedrohten Loris wie dem Forstenloris (Trichoglossus forsteni forsteni), dem Mitchelllori (Trichoglossus forsteni mitchelli) und dem Mt. Apo Lori (Trichoglossus johnstoniae) in den Zoos von Pilsen und Prag.

Zum Abschluss des Vortragsprogramms berichtete Thomas Arndt, international anerkannter Experte für Psittaciden und Herausgeber der Fachzeitschriften PAPAGEIEN und WP-Magazin sowie anderer Publikationen über Papageien über den Stand der Dinge beim Orangehaubenkakadu (Cacatua sulphurea citrinocristata) auf Sumba und den dramatischen Rückgang der Freilandpopulation auf vermutlich unter 500 Individuen. Peter Widmann, Katala Foundation, erläuterte die Maßnahmen, die zur die erfreulichen Bestandserholung des philippinischen Rotsteißkakadus (Cacatua haematuropygia) beigetragen haben und in absehbarer Zeit zu einer Herabstufung des Bedrohungsstatus von CR (Critically Endangered) auf EN (Endangered) führen werden. Als krönenden Abschluss präsentierte Karl-Heinz Lambert Highlights aus 20 Jahren Papageienfotografie, darunter noch nie veröffentlichte Aufnahmen von Kaiseramazonen (Amazona imperialis) im Freiland und am Nest.

Den Abend der Jubiläumstagung ließen die Teilnehmer dann in festlichem Rahmen im Radisson Blu Hotel in der DomLounge ausklingen, nach einer Fahrt durch das größte zylindrische Aquarium der Welt konnten sich die Gäste an einem umfangreichen Büffet erfreuen. Zum 25-jährigen Jubiläum des FbP wurde zum ersten Mal ein Artenschutzpreis verliehen, an Thomas Arndt für seinen unermüdlichen Einsatz zum Schutz von Papageien vor Ort, die Publikationen und über die Arbeit des FbP in seinen Magazinen PAPAGEIEN und WP-Magazin. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Walter Schulz, langjähriger Fondssprecher und ehemaliger Schatzmeister der ZGAP für sein Engagement beim Einsammeln und Akquirieren von Spendengeldern für den Papageienschutz – so kamen gut 750.000 Euro in den letzten Jahren zusammen.

 

Die 18. Tagung des FbP zu seinem 25-jährigen Jubiläum war ein fantastischer Erfolg, Mitglieder, Züchter, Halter, Behördenvertreter, Tierärzte, Tierpfleger, Zoodirektoren und Papageienfreunde aus ganz Europa nutzten die Gelegenheit zum Austausch und zur Knüpfung neuer Kontakte zum Wohle der Papageien. Als weiteres positives Ergebnis konnten bei der Tagung zahlreiche Spenden entgegengenommen werden, die sich, zusammen mit dem Tagungsüberschuss, auf einen stolzen Betrag von mehr als EUR 12.000 summieren – eine Summe, die wie alle Spenden an den FbP zu 100 % in die Projekte fließen wird.

Unser Herzlicher Dank gilt den vier Hauptsponsoren Arndt-Verlag, papageienmarktplatz.de, Bird Consulting International und Knutis Shop sowie zahlreichen weiteren Spendern, darunter die Vogelfreunde Achern, die Papageienfreunde Nord, Andreas Bigge, Özen Blankenheim, Renate Brucker, Petra und Horst Elmrich, Mike Grunewald, Dr. Folko Kullmann, Karl Heinz Lambert, Andreas Meyer, Familie Mees, Familie Mittelhäuser-Brown, Heiner Müller und Daniel Neumann vom Exotengesundheitsteam, Florian Obermüller (Bioleckerei), Karin Schröder (Parrots Parcel) und René Wüst.

Der Fonds für bedrohte Papageien (FbP)

Der FbP unterstützt Projekte, welche die Bedrohungsursachen erforschen und sie gezielt beseitigen oder zumindest minimieren. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Zusammenarbeit mit Artenschutzgruppen und der Bevölkerung der jeweiligen Region, um durch Kooperation und Aufklärung die Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu erreichen. Der FbP entscheidet gemeinsam mit dem ZGAP-Vorstand über die Projektförderung. In den 25 Jahren seit Gründung wurden rund 1,5 Mio. US$ an Fördergeldern vergeben. 104 Papageienarten wurden und werden unterstützt, oder waren Bestandteil einer durch die ZGAP geförderten Projektes bzw. Studie. Aufgaben des FbP sind die Sichtung und Bewertung von Projektanträgen und Vorschlägen von Projekten sowie die Evaluation der Arbeit in den Projekten und die Vorbereitung und Durchführung von Fachtagungen.

Projektbesuche von Arbeitskreismitgliedern werden stets auf eigene Kosten vorgenommen.

Aktuelle Projekte widmen sich folgenden Arten:

  • Santa-Marta-Sittich (Pyrrhura viridicata)
  • Kleiner Soldatenara (Ara militaris militaris)
  • Salvadori-Weißohrsittich (Pyrrhura griseipectus
  • Orangehaubenkakadu (Cacatua sulphurea citrinocristata)
  • Papageien auf Halmahera: Weißhaubenkakadu (Cacatua alba), Gelbmantellori (Lorius g. garrulus), Halmahera-Schönlori (Charmosyna placentis intensior), Bechsteins Kapuzenlori (Eos squamata riciniata), Zierfledermauspapageichen (Loriculus amabilis), Halmahera-Königssittich (Alisterus amboinensis hypophonius), Blaunacken-Rotkopfpapagei (Geoffroyus geoffroyi cyanicollis), Halmahera-Edelpapagei (Eclectus roratus vosmaeri) und Schwarzschulter-Edelpapagei (Tanygnathus megalorhynchus megalorhynchus)
  • Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia)

Im September wurde mit einer erstmaligen Suche und eventuelle Bestandserfassung für den hochbedrohten Mitchell-Lori (Trichoglossus forsteni mitchellii) auf den indonesischen Inseln Lombok und Bali begonnen. 2015 ist eine erneute Bestandserfassung der Population des Gelbwangenkakadus (Cacatua sulphurea) im Nationalpark auf Komodo geplant. Bestätigt wurde mittlerweile auch die Förderung des Auswilderungsprojektes für die bedrohte Taubenhalsamazone (Amazona vinacea) im Südosten von Brasilien.

Bilder zum Download: (C) ZGAP

Referenten der Tagung

Voller Festsaal im Roten Rathaus

Preisträger mit Vorstand

Spender der Tagung

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